©Florian Größwangartikel
30. März 2026
Nachhaltigkeit
Destinationsentwicklung
Nachhaltigkeit war im Tourismus lange ein Kommunikationsthema mit Wohlfühlfaktor. „Umweltfreundlich“, „klimaneutral“, „regional“ oder „sanft“ schmückten Websites, Broschüren und Buchungsplattformen – oft gut gemeint, aber selten auf Fakten basierend belegt. Damit ist nun bald Schluss.
Mit der neuen EU-Empowering-Consumers-Richtlinie (EmpCo) beginnt eine neue Phase der Nachhaltigkeitskommunikation: weg vom dehnbaren Marketingbegriff, hin zur überprüfbaren, transparenten und rechtssicheren Aussage. Für den Tourismus ist das keine Randnotiz, sondern ein echter Paradigmenwechsel. Die EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) soll in Österreich ohne Möglichkeit des Aufschubs ab 27. September 2026 gelten (vorher muss sie noch in nationales Recht umgesetzt werden). Sie gilt für Unternehmen jeder Größe, deren Geschäftstätigkeit auf Verbraucher in der EU ausgerichtet ist (keine Ausnahmen für KMU wie bei Berichterstattung).
Die EmpCo-Richtlinie zielt darauf ab, Verbraucher:innen vor irreführenden Umweltaussagen zu schützen. Künftig sind pauschale Nachhaltigkeitsaussagen ohne belastbaren Nachweis unzulässig. Begriffe wie "umweltfreundlich" oder "nachhaltig" dürfen nur noch verwendet werden, wenn sie klar definiert, belegt und verständlich erklärt sind. Besonders kritisch sind zukünftig Pauschal-Aussagen, wie "Wir handeln im Einklang mit der Natur", "Nachhaltiger Genuss", "Sanfter Tourismus" oder "Green Hotel"- hier besteht zukünftig ein hohes Abmahnrisiko ohne konkrete Erklärung.
Gerade im Tourismus trifft das einen sensiblen Punkt: Nachhaltigkeit ist hier komplex, vielschichtig und oft schwer in einfachen Kennzahlen abzubilden. Gleichzeitig ist sie für Gäste längst ein relevantes Entscheidungskriterium. Für 40 % bis 70 % ist Nachhaltigkeit ein Faktor bei der Reiseentscheidung (Quelle: Winterpotentialstudie 2025&26 & Sommerpotentialstudie 2025 der Österreich Werbung). Nicht jede Nachhaltigkeitsmaßnahme muss perfekt sein, aber sie muss ehrlich benannt werden. Gäste akzeptieren Fortschritte und auch Grenzen – sie verzeihen jedoch keine Täuschung.
Im nächsten Schritt gilt es nun, gezielt Maßnahmen zu setzen, um Tourismusorganisationen und Betriebe schrittweise an die Anforderungen der EmpCo-Richtlinie heranzuführen.
Greenwashing war gestern. Nicht, weil es moralisch fragwürdig ist – sondern weil es regulatorisch nicht mehr haltbar ist. Die EmpCo-Richtlinie markiert den Übergang von der Image-zur Impact-Kommunikation. Für den Tourismus bedeutet das vor allem die Chance, endlich das zu kommunizieren, was Gäste heute wirklich erwarten.
Sehen wir EmpCo auch als eine Einladung, unsere Nachhaltigkeitskommunikation zukünftig anders zu denken. Weniger als Bühne für große Versprechen. Mehr als Raum für konkrete, überprüfbare Aussagen- damit Vertrauen wichtiger als Aufmerksamkeit wird.
Um die Umsetzung der Richtlinie zu erleichtern, hat die EU-Kommission FAQs zur EmpCo-RL veröffentlicht: Hier klicken 🫵🏻
©Florian Größwang