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05. März 2026
Künstliche Intelligenz
Digitalisierung
Die Geschwindigkeit, mit der sich Künstliche Intelligenz derzeit entwickelt, ist bemerkenswert. Beim AI-Update am 26. Februar zeigte Roman Egger erneut, wie stark sich die Branche in wenigen Wochen verändert hat. Besonders ein Thema zieht sich dabei durch fast alle Neuerungen: KI verwandelt sich gerade vom Chatbot zum autonomen System, das eigenständig arbeitet.
Ein zentrales Thema des Updates war die aktuelle Dynamik zwischen den großen KI-Anbietern. Während OpenAI lange Zeit als dominanter Akteur galt, richtet sich der Blick derzeit stark auf das Unternehmen Anthropic und dessen Modell Claude.
Roman Egger spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer möglichen „SaaSpocalypse“. Gemeint ist damit eine Entwicklung, bei der KI-Tools zunehmend Aufgaben übernehmen, für die bisher spezialisierte Software notwendig war. Neue Funktionen erscheinen derzeit so schnell, dass klassische Softwareanbieter unter Druck geraten könnten.
Anthropic positioniert sich dabei zunehmend als Business Tool, während OpenAI stärker im Consumer-Bereich wahrgenommen wird. Claude entwickelt sich damit immer mehr zu einer Plattform, die aktiv in Arbeitsprozesse integriert wird.
Mit dem Modell Claude Opus 4.6 hat Anthropic ein weiteres großes Update veröffentlicht. Eine besonders spannende Neuerung ist die sogenannte Content Compaction.
Das Problem vieler KI-Modelle liegt im begrenzten Kontextfenster. Sobald eine Konversation zu lang wird, gehen ältere Informationen verloren. Claude versucht dieses Problem nun anders zu lösen. Wenn das Kontextfenster voll ist, wird der bisherige Inhalt automatisch komprimiert, sodass die Arbeit in derselben Sitzung weitergehen kann.
Gerade bei komplexen Aufgaben wie Datenanalyse oder Softwareentwicklung kann man so deutlich länger und strukturierter mit der KI arbeiten.
Noch interessanter wird es mit neuen Funktionen wie Claude Cowork. Hier arbeitet die KI nicht mehr nur innerhalb eines Chatfensters, sondern direkt mit Dateien auf dem eigenen Computer.
Die KI kann beispielsweise:
Damit verändert sich der Charakter von KI grundlegend. Statt nur Antworten zu liefern, beginnt sie tatsächlich Aufgaben auszuführen. Der Chat wird damit zunehmend zur Schnittstelle für komplexe Arbeitsprozesse.
Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist Claude Code. Dieses Tool erlaubt es, komplette Projekte mit Hilfe der KI umzusetzen. Statt selbst zu programmieren, beschreibt man der KI lediglich das Ziel.
Claude kann anschließend selbstständig:
In einem Beispiel aus dem Update ließ Roman Egger ein Analyseprojekt über Nacht laufen. Am nächsten Morgen hatte die KI eine vollständige Auswertung erstellt, inklusive Grafiken, Datenstrukturen und sauber organisierter Projektordner. Die Rolle des Menschen verschiebt sich damit zunehmend von der Ausführung hin zur Definition von Aufgaben und Zielen.
Besonders spannend ist auch die Entwicklung sogenannter Agent-Teams. Hier arbeiten mehrere spezialisierte KI-Agenten gleichzeitig an einer Aufgabe. Ein Agent übernimmt dabei die Rolle eines Koordinators, während andere Agenten bestimmte Teilaufgaben bearbeiten. Neu ist, dass diese Agenten nicht nur Anweisungen erhalten, sondern miteinander kommunizieren und Aufgaben selbstständig aufteilen können. Damit entsteht eine Arbeitsweise, die stark an menschliche Teams erinnert. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt in Richtung Agentic AI – also KI-Systeme, die eigenständig handeln können.
Neben den Entwicklungen rund um Claude wurde auch ein Projekt vorgestellt, das derzeit viel Aufmerksamkeit erhält: OpenClaw. Dabei handelt es sich um einen autonomen KI-Agenten, der lokal auf einem Computer laufen kann. Anders als klassische Chatbots erhält OpenClaw Zugriff auf verschiedene Systeme und kann eigenständig Aktionen ausführen.
Der Agent kann beispielsweise:
Das System arbeitet dabei mit einer Schleife aus Planung, Ausführung und Bewertung. Wenn eine Lösung nicht funktioniert, probiert der Agent so lange neue Wege aus, bis die Aufgabe erfüllt ist.
Gleichzeitig zeigt OpenClaw auch die Risiken dieser Entwicklung. Wenn eine KI Zugriff auf E-Mails, Kalender oder Dateien erhält, entstehen völlig neue Sicherheitsfragen. Besonders sogenannte Prompt-Injection-Angriffe, bei denen KI-Systeme über manipulierte Texte gesteuert werden, werden zunehmend diskutiert.
Zum Abschluss wurde ein technisches Konzept vorgestellt, das langfristig große Auswirkungen haben könnte: WebMCP – das Web Model Context Protocol.
Dabei handelt es sich um einen neuen Ansatz, mit dem Webseiten strukturierte Informationen direkt für KI-Agenten bereitstellen können. Bisher müssen KI-Systeme Webseiten visuell analysieren und interpretieren. Mit WebMCP könnten Inhalte und Funktionen einer Website klar beschrieben werden. Ein Agent weiß dann beispielsweise direkt, wo sich Buchungsfelder befinden oder welche Daten eingegeben werden müssen. Für den Tourismus könnte das besonders relevant sein.
Ein KI-Agent könnte in Zukunft direkt:
Dadurch könnte sich auch die Rolle von Plattformen wie Booking.com oder Expedia verändern, da Agenten direkt mit den Websites von Hotels oder Destinationen interagieren können.
Eine Erkenntnis zieht sich durch alle Entwicklungen: Daten werden immer wichtiger.
Damit KI-Systeme sinnvoll arbeiten können, brauchen sie strukturierte und aktuelle Informationen. Für den Tourismus bedeutet das vor allem, dass Inhalte, Verfügbarkeiten und Angebote sauber gepflegt werden müssen. Je besser Daten strukturiert sind, desto einfacher können sie künftig von KI-Agenten gefunden und genutzt werden.
Das AI-Update zeigt deutlich, wie schnell sich die Rolle von KI verändert. Während Chatbots vor wenigen Jahren noch als experimentelle Technologie galten, entstehen nun Systeme, die aktiv in Arbeitsprozesse eingreifen und eigenständig Aufgaben übernehmen.
Drei Entwicklungen zeichnen sich dabei klar ab:
Für Branchen wie den Tourismus bedeutet das, dass sich digitale Infrastruktur und Geschäftsmodelle in den kommenden Jahren stark verändern könnten. Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr, ob KI Arbeitsprozesse verändert, sondern wie schnell diese Veränderungen eintreten werden.