©Universität Innsbruck - Joachim Niggartikel
22. Jan. 2026
Destinationsentwicklung
Digitalisierung
Der demografische Wandel und die gesellschaftliche Diversität verändern den Tourismus substanziell: Eine wachsende Zahl von Reisenden mit altersbedingten Einschränkungen sowie Menschen mit Behinderungen stellt Destinationen vor neue Herausforderungen, bietet gleichzeitig aber auch enorme wirtschaftliche Chancen. Ein aktuelles Forschungsprojekt betont, dass die Verknüpfung von inklusiven Angeboten mit digitalen Technologien weitreichende Potenziale für Destinationen, Betriebe und Regionen birgt.
Vier von zehn Menschen in der EU haben laut Statistiken temporäre oder dauerhafte Einschränkungen, die ihre Reisegewohnheiten beeinflussen können.
Neben Senior:innen zählen auch Menschen mit Behinderungen zu dieser Zielgruppe. Beispielsweise entfallen fast 25 % der Übernachtungen in der EU auf Tourist:innen über 65 Jahren, die häufig länger bleiben und außerhalb der Hauptsaison reisen – attraktive Merkmale für den Ganzjahrestourismus. Gleichzeitig sind auch Menschen mit Behinderungen auf barrierefreie und komfortable Reisebedingungen angewiesen. Dies betrifft nicht nur bauliche Gegebenheiten, sondern auch digitale Angebote, die ihre Selbstständigkeit und Teilhabe fördern.
Mehr als 860 Millionen Reisen pro Jahr in der EU entfielen bis 2020 auf den inklusiven Tourismus. Nicht nur die ältere Zielgruppe profitiert von barrierefreien Infrastrukturen und digitalen Hilfsmitteln, sondern auch Reisende mit altersunabhängigen Einschränkungen.
Intuitive Apps, Echtzeitinformationen oder barrierefreien Buchungssystemen tragen dazu bei, die Reiseplanung für diese Zielgruppen zu erleichtern und ihre Selbstständigkeit vor Ort zu unterstützen. Damit profitieren sowohl Reisende als auch Destinationen von inklusiven und technologischen Fortschritten.
Trotz wachsender Akzeptanz für inklusive Reiseangebote bleibt der Weg nicht ohne Hindernisse. Herausforderungen wie fehlende Standards, digitale Barrieren und Fachkräftemangel hemmen aktuell die Entwicklung. Besonders wichtig bleibt die Schulung von Personal sowie das inklusive Prinzip „Design für alle“, um Barrierefreiheit nicht nur baulich, sondern auch sozial und kommunikativ entlang der Servicekette umzusetzen.
Digitale Lösungen spielen eine Schlüsselrolle, indem sie Unsicherheiten abbauen und gleichzeitig die individuellen Bedürfnisse aller Reisenden adressieren. Plattformen, Navigations-Apps und andere Tools, die klar und benutzerfreundlich gestaltet sind, fördern die Zufriedenheit der Kund:innen. Sowohl Menschen mit Behinderungen als auch ältere Reisende profitieren von Technologien, die eine selbstständigere und sichere Mobilität ermöglichen. Dennoch gibt es technische Grenzen und die Notwendigkeit, neue Standards für Inklusion zu etablieren.
Das aktuelle Forschungsprojekt unterstreicht, dass langfristiger Erfolg im inklusiven Tourismus nur durch den engen Schulterschluss von digitalen Innovationen, barrierefreien Konzepten und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse sämtlicher Reisender erreichbar ist. Eine inklusive Strategie, die Senior:innen und Menschen mit Behinderungen gleichrangig berücksichtigt, bietet nicht nur gesellschaftlichen, sondern auch wirtschaftlichen Mehrwert.