©Tirol Werbung - Tom Klockerartikel
14. Jan. 2026
Destinationsentwicklung
Nachhaltigkeit
Wie können zirkuläre Ansätze im Tourismus angewandt werden, um eine zukunftsfähige Transformation in Tirol zu unterstützen? Dieser Frage bin ich in meiner Masterarbeit nachgegangen. Unter dem Titel „Von der Linearwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft: Praxisorientierte Ansätze für einen zukunftsfähigen Tiroler Tourismus“ habe ich untersucht, wie wir zirkuläre Entwicklungen praktisch umsetzen und so den Tourismus in Tirol neu denken und zukunftssicher gestalten können.
Im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse von 13 Expert:inneninterviews wurde der aktuelle Entwicklungsstand der Kreislaufwirtschaft im Tiroler Tourismus umfassend untersucht. Dabei entstanden praxisorientierte Handlungsempfehlungen für künftige Entwicklungen. In einem anschließenden, kooperativen Prozess mit verschiedenen Expert:innen wurde im Auftrag der Tirol Werbung das Positionspapier "Circular Tourism – von der Theorie bis zur Praxis“ für den Tiroler Tourismus erarbeitet.
Die Arbeit wurde Ende Mai 2025 abgeschlossen, weshalb die Aktualität der Ergebnisse in diesem zeitlichen Kontext zu betrachten ist.
Die Ergebnisse machen deutlich: Die Kreislaufwirtschaft bietet für den Tiroler Tourismus große Chancen, bringt jedoch gleichermaßen komplexe Herausforderungen mit sich. Eine nachhaltige Transformation ist kein Selbstläufer – sie erfordert sowohl Zusammenarbeit über Branchengrenzen hinweg als auch klar definierte Zuständigkeiten. Alle Akteur:innen – von Nachhaltigkeitskoordinator:innen und Gemeinden über Tourismusverbände bis hin zu staatlichen Institutionen und den Gästen selbst – müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Vision einer zirkulären Tourismuswirtschaft zu verwirklichen.
Gezielte Maßnahmen und innovative Ideen sind gefragt: Ein Tourismussiegel für zirkuläre Ansätze, digitale Plattformen zur Weitergabe von Möbeln und Einrichtung, die Förderung von Leasing-Modellen und praxisnahe Leitfäden zu zirkulären Praktiken. Entscheidend ist auch der Austausch von Wissen und erfolgreichen Beispielen. Nur wer Synergien nutzt, vorausschauend plant und langfristig denkt, kann Tirol als Vorreiter für Nachhaltigkeit etablieren – für Gäste und Einheimische gleichermaßen.
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das Positionspapier „Circular Tourism – Von der Theorie bis zur Praxis“, das in Zusammenarbeit mit dem Circular Economy Forum Austria, dem Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit der Tirol Werbung und den Expert:innen Harald Friedl und Anna Köhl entstanden ist. Dieses Papier beleuchtet die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft im Tourismus mithilfe des "10R-Prinzips" und liefert praxisorientierte Ansätze für verschiedene Sektoren wie Destinationen, Mobilität, Unterkünfte oder Outdoor-Marken. Besondere Akzente wurden durch die Circular Design Week 2024 gesetzt, bei der Akteur:innen aus dem Tourismus die Inhalte kritisch reflektierten und weiterentwickelten.
Die Recherche zeigt: Zirkuläre Prozesse im Tiroler Tourismus sind bis heute nur wenig erforscht. Einzelne Ansätze sind zwar vorhanden, doch es fehlt oft an der Sichtbarkeit und einer klaren Abgrenzung zwischen nachhaltigen und tatsächlich zirkulären Modellen.
Workshops und Projekte zeigen großes Potenzial, um zirkuläre Maßnahmen voranzutreiben und Akteur:innen aus der Praxis zu vernetzen. Doch echte Fortschritte gelingen nur, wenn solche Initiativen durch messbare Indikatoren begleitet werden, die Transparenz schaffen und Erfolge sichtbar machen.
Damit zirkuläre Ansätze im Tiroler Tourismus Realität werden können, braucht es ein starkes Zusammenwirken aller Beteiligten. Eine nachhaltige Transformation gelingt nur durch einen ganzheitlichen und kooperativen Ansatz, der auf ein gemeinsames Verständnis von Kreislaufprozessen setzt.