©Manuela Machnerartikel
03. Mai 2026
Künstliche Intelligenz
Digitalisierung
KI-Tools beantworten Reisefragen heute anders als Suchmaschinen: nicht mit einer Liste von Links, sondern mit einer fertigen Empfehlung. Welche Quellen dabei zitiert werden, ist kein Zufall. Eine systematische Auswertung zu Urlaub in Österreich, getrackt über sechs KI-Engines im April 2026, zeigt, wer in diesen Antworten vorkommt, wer fehlt, und was das für Destinationen, Regionen und Hotels bedeutet.
... fragt nicht mehr nur Google. Er fragt ChatGPT, Perplexity oder den Google AI Mode und bekommt eine Antwort, keine Liste. Keine zehn blauen Links, die man anklicken kann oder auch nicht. Eine fertig formulierte Empfehlung mit Quellenangaben.
Für Destinationen, Hotels und Regionen verändert das die Grundfrage. Sie lautet nicht mehr: Wie bringe ich möglichst viele Menschen auf meine Website? Sie lautet: Wie werde ich Teil der Antwort?
Suchmaschinen haben Destinationen jahrelang gelehrt, an Rankings zu denken. Seite 1, Position 3, Klickrate. Das Ziel war immer: den Nutzer auf die eigene Seite zu holen.
KI-Tools funktionieren anders. Sie verarbeiten Fragen, wählen vertrauenswürdige Quellen aus und formulieren eine Antwort. Der Nutzer bekommt diese Antwort – und klickt vielleicht auf eine der zitierten Quellen, vielleicht nicht. Für den Tourismus heißt das: Es geht nicht mehr darum, ob jemand die Website der Destination öffnet. Es geht darum, ob die Destination, die Region, das Angebot überhaupt vorkommt. Wer in der Antwort nicht auftaucht, existiert für diesen Gast in diesem Moment nicht. Der Vorteil im Tourismus: Wir leben nicht von PageViews oder Websiteaufrufen, sondern davon, dass der Gast kommt! Also ist das primäre Ziel nicht mehr unbedingt die Gäste auf eure Seite zu bekommen, sondern als Lösung auf ihre Frage genannt zu werden, egal von welcher Quelle.
Seit Mitte März tracke ich 155 Gästefragen zu Urlaub in Österreich systematisch über sechs KI-Engines: ChatGPT, Google AI Mode, Google AI Overviews, Perplexity AI, Microsoft Copilot und Google Gemini.
Die Fragen decken Themen wie Wandern, Wellness, Kulinarik, Familie, Unterkünfte und einzelne Bundesländer ab.
Der erste Blick auf die Top 20 über alle KI-Systeme hinweg ist aufschlussreich: Es sind fast ausschließlich Plattformen. Komoot für Wandertouren. Falstaff für Kulinarik und Hotels. TripAdvisor für Bewertungen. 1000thingsmagazine.com als Content-Quelle.


66 Prozent der Citations entfallen auf Brand-Plattformen, also auf kommerzielle Anbieter wie Booking.com, HolidayCheck oder Komoot. 11 Prozent auf Government/NGO-Seiten wie austria.info oder die Landeswebsites. 11 Prozent auf Blogs und persönliche Seiten. News und Medien: 5 Prozent. Das ist kein zufälliges Ergebnis, sondern ein Hinweis darauf, welchen Quellen KI-Tools strukturell vertrauen.
= kommerzielle Marken und Plattformen mit eigenem Geschäftsmodell. Also Buchungsplattformen wie Booking.com oder HolidayCheck, Aktivitäten-Plattformen wie Komoot oder Outdooractive, Reiseveranstalter wie TUI oder Hofer Reisen, Wellness-Portale wie relax-guide.com. Auch google.com fällt in diese Kategorie, weil es eine kommerzielle Marke ist. Das erklärt, warum Brand so dominant ist: KI-Tools vertrauen etablierten Plattformen mit großem Datenpool und vielen Nutzersignalen.
= sind offizielle Stellen und Non-Profits: austria.info (Österreichwerbung), tirol.at, steiermark.com, kaernten.at, salzburgerland.com, aber auch alpenverein.at oder slow-food.at.
= redaktionell betriebene Medien: 1000thingsmagazine.com, falstaff.com, bergwelten.com, bergfex.at, kurier.at, krone.at.
= private Reise- und Outdoor-Blogs: indenbergen.de, rauf-und-davon.at, gepacktundlos.com, oesterreichblog.at.
= nutzergenerierte Plattformen: tripadvisor.at, reddit.com.
= ein Sammelbecken für Seiten, die das Tool nicht eindeutig zuordnen konnte.
Mit 7.696 Citations ist austria.info die zweitstärkste Quelle nach google.com, und zwar über alle sechs analysierten Engines hinweg. Der Grund ist naheliegend: ein breiter, strukturierter Contentpool, der nahezu alle relevanten Urlaubsfragen thematisch abdeckt. Was das zeigt: Umfang allein reicht nicht; Tiefe und Strukturiertheit des Inhalts sind wesentliche Faktoren dafür, dass KI-Tools regelmäßig eine Quelle heranziehen.
google.com steht mit 12.235 Citations an erster Stelle, aber diese Zahl trügt. 12.145 dieser Citations stammen aus einer einzigen Engine: dem Google AI Mode. Das ist kein Zeichen von universeller Stärke, sondern ein Hinweis auf ein grundlegendes Prinzip: Jede KI-Engine hat ihre eigenen Präferenzen und ihr eigenes Quellenverhalten. Google zitiert bevorzugt eigene Properties. Perplexity hingegen ist deutlich breiter aufgestellt und zieht externe Quellen stärker heran. Wer nur eine Engine beobachtet, sieht nur einen Ausschnitt.
Das ist einer der wesentlichsten Befunde dieser Auswertung: Die sechs analysierten Engines zitieren nicht dieselben Quellen. Eine Destination, die bei Perplexity gut vertreten ist, muss das bei Google AI Mode noch lange nicht sein – und umgekehrt. Eine Strategie, die sich nur auf eine Plattform konzentriert, greift zu kurz. Die Detailauswertung nach Engine ist HIER abrufbar.
Tirol, Steiermark, Kärnten, Vorarlberg – die Landeswebsites sind in den Top 20 gut vertreten. Das hat einen einfachen Grund: Die getrackten Gästefragen enthalten auch Bundesland-spezifische Anfragen. "Was kann ich in der Steiermark im Sommer unternehmen?" oder „Welche Regionen in Tirol eignen sich für Wandern mit Kindern?" sind reale Formulierungen, die Gäste verwenden. Die Landeswebsites profitieren davon, wenn sie auf genau diese Fragen konkrete, strukturierte Antworten liefern. In der Detailanalyse sieht man aber auch, zu welchen Kernthemen die Bundesländerseiten vorne liegen.

Wer denkt, KI-Tools beantworten alle Tourismusfragen gleich, liegt falsch. Die Auswertung zeigt deutlich: Je nach Fragetyp kommen andere Quellen zum Zug.
Bei Wanderfragen dominiert Komoot. Von den knapp 1.900 Komoot-Citations entfallen über 1.200 auf Wanderthemen. Der Grund liegt nicht in den gestellten Fragen, die allgemeiner Natur waren, sondern im Inhalt von Komoot selbst: Die Plattform verfügt über einen umfangreichen, strukturierten Datenpool zu Wanderrouten in Österreich, der von KI-Tools als verlässliche Quelle eingestuft wird. Wer möchte, dass das eigene Wanderangebot in KI-Antworten auftaucht, muss dort präsent sein, nicht nur auf der eigenen Website.
Bei Hotel- und Unterkunftsfragen sieht es anders aus: Booking.com, HolidayCheck, TripAdvisor und Wellness-Spezialplattformen wie relax-guide.com oder wellness-heaven.de übernehmen die Antworten. Bei Ausflugsfragen wiederum kommen Content-Plattformen wie 1000thingsmagazine.com, Blogs und Medien stärker ins Spiel.
Das ist die eigentliche strategische Botschaft: Der Inhalt muss dort sein, wo KI ihn sucht, themenspezifisch, plattformgerecht, nicht nur auf der eigenen Website.

Wer die Gesamtauswertung betrachtet, sieht google.com an erster Stelle, weit vor allen anderen. Der Eindruck liegt nahe: Google dominiert, alles andere ist Randerscheinung. Doch dieser Blick trügt, sobald man nach einzelnen Engines und Themen aufschlüsselt.
Am Beispiel Wandern zeigt sich, wie unterschiedlich die vier großen KI-Tools tatsächlich zitieren, obwohl ihnen dieselben Gästefragen gestellt wurden.
ChatGPT verlässt sich auf offizielle Quellen: tirol.at führt deutlich vor austria.info, der Alpenverein folgt auf Platz fünf. Das Bild ist klar government-lastig, mit einzelnen etablierten Plattformen wie Komoot dazwischen.
Google AI Mode hingegen zitiert kaum offizielle Stellen. Komoot führt, YouTube folgt auf Platz zwei, Alltrails auf Platz drei. austria.info taucht in den Top 8 nicht auf. Google AI Mode bevorzugt sichtbare Plattformen mit reichhaltigem Medieninhalt und solche aus dem eigenen Ökosystem.
Google AI Overview überrascht am stärksten: Ein persönlicher Reiseblog, rauf-und-davon.at, steht an erster Stelle, noch vor YouTube. Die Verteilung ist breiter und unerwarteter als bei den anderen Engines.
Perplexity setzt auf Medien und Blogs: 1000thingsmagazine.com und rauf-und-davon.at führen nahezu gleichauf, gefolgt von bergwelten.com. Offizielle Stellen wie austria.info sind zwar vertreten, aber nicht dominant.Was das für Destinationen bedeutet:
Eine Wanderregion, die bei ChatGPT gut sichtbar sein will, braucht strukturierten Content auf offiziellen und etablierten Domains. Wer bei Google AI Mode oder Perplexity auftauchen will, kommt an Plattformen, Medien und Blogs nicht vorbei. Eine einzige Strategie reicht nicht für alle Engines.
Die Frage ist nicht mehr nur: Haben wir eine gute Website? Die Frage ist: Sind unsere Wanderwege auf Komoot? Sind unsere Kulinarik-Tipps auf Falstaff und in Reisemagazinen präsent? Sind unsere Hotels auf den relevanten Buchungsplattformen vollständig und aktuell? Kommen wir in regionalen Blogs und auf 1000things vor?
Das ist kein Ersatz für die eigene Website, aber sie allein reicht nicht mehr. Content, der nur auf der Destinations-Domain sitzt, wird von KI-Tools seltener zitiert als derselbe Inhalt auf einer Plattform mit breiter Reichweite und hoher Vertrauenswürdigkeit.
Das verändert auch, wie man Erfolg misst. Wenn ein Gast über eine KI-Antwort auf Komoot oder austria.info stößt und dann tatsächlich in die Region kommt, war das Ziel trotzdem erreicht, auch ohne Klick auf die Destinationswebsite. Die Antwort war richtig. Der Gast ist da.
Die hier gezeigten Ergebnisse sind ein Ausschnitt aus einer monatlichen Auswertung, die auf kinet.ai öffentlich abrufbar ist. Das interaktive Dashboard zeigt Citations nach Engine, Thema und Bundesland – und wird ab Mai 2026 mit Monatsvergleich ergänzt. Für Destinationen, Regionen oder Hotels, die eine eigene, themenspezifische Auswertung benötigen, gibt es individuelle GEO-Monitoring-Mandate. Anfragen an info@kinet.ai.
Für diese Auswertung wird Otterly.ai verwendet – ein Tool, das KI-Citations systematisch über mehrere Engines trackt und dabei eine länderspezifische Filterung ermöglicht. Alle hier gezeigten Daten basieren auf dem Länderparameter Österreich. Das macht einen wesentlichen Unterschied zu globalen Auswertungen, die österreichspezifische Ergebnisse verwischen würden.
Manuela Machner ist KI-Beraterin und Gründerin von KiNET.ai. Sie begleitet Unternehmen und Destinationen bei der strategischen Positionierung im KI-Ökosystem. kinet.ai | info@kinet.ai